Lardo – italienischer Rückenspeck, der auf der Zunge schmilzt
Lardo ist gereifter Rückenspeck vom Schwein und eine der erstaunlichsten Spezialitäten der italienischen Salumeria. Hauchdünn geschnitten, wird er fast cremig und verbindet salzige Würze mit einem milden, leicht süßlichen Aroma. Besonders bekannt sind der Lardo di Colonnata aus der Toskana und der Lardo d’Arnad aus dem Aostatal.
Lardo ist kein Speck im deutschen Sinn, denn es handelt sich praktisch um gereiften Rückenspeck bzw. das subkutane Fett des Schweins, nicht um einen fleischigeren Bauchspeck. Das würde ich gleich am Anfang erklären.
| Produkt | Teil des Schweins | Charakter |
|---|---|---|
| Lardo | Rückenspeck | fast reines, gereiftes Fett |
| Guanciale | Schweinebäckchen/-Schweinekinn | deutlich fleischiger |
| Pancetta | Schweinebauch | Fett + Fleisch |
| Speck | je nach Region unterschiedlich | meist geräuchert oder luftgetrocknet |
| Strutto | ausgelassenes Schweinefett | flüssig/fest, aber nicht gereift |
Unterschiedliche Lardo Sorten
Lardo di Colonnata IGP aus der Toskana und Lardo d’Arnad DOP aus dem Aostatal sind die beiden bekanntesten traditionellen Varianten. Sie unterscheiden sich sogar bei der Reifung:
Lardo di Colonnata
- aus Colonnata bei Carrara
- Reifung in charakteristischen Marmorbecken
- Meersalz, schwarzer Pfeffer, Rosmarin und Knoblauch
- weitere Gewürze/ Kräuter sind je nach Erzeuger möglich
- mindestens einige Monate Reifung
Lardo d’Arnad DOP
- aus Arnad im Aostatal
- Reifung in traditionellen Holzgefäßen, den doils
- Salz, Rosmarin, Knoblauch, Salbei, Lorbeer und teilweise weitere Gewürze
- mindestens drei Monate Reifung, häufig deutlich länger.
Herstellung
Auswahl des Rückenspecks
Für Lardo wird die dicke Speckschicht aus dem Rückenbereich des Schweins verwendet. Je nach regionaler Tradition und Erzeuger unterscheiden sich Herkunft, Dicke und Qualität des verwendeten Specks.
Salzen und Würzen
Der Rückenspeck wird großzügig mit Salz sowie Kräutern und Gewürzen eingerieben. Typisch sind unter anderem Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Knoblauch und schwarzer Pfeffer. Die genaue Würzmischung hängt von der jeweiligen Region und dem Rezept des Erzeugers ab.
Reifung
Anschließend reift der gewürzte Rückenspeck über mehrere Monate. Dabei entwickelt er sein charakteristisches Aroma und seine außergewöhnlich zarte Konsistenz. Bei traditionellen Spezialitäten wie Lardo di Colonnata oder Lardo d’Arnad erfolgt die Reifung nach genau festgelegten regionalen Verfahren.
Geschmack
Lardo ist erstaunlich zart. Hauchdünn geschnitten, wird er schon bei Raumtemperatur weich und beginnt auf der Zunge förmlich zu schmelzen.
Geschmacklich verbindet er eine angenehme Salzigkeit mit einer milden, leicht süßlichen Note. Je nach Sorte und Würzung kommen Aromen von Rosmarin, Knoblauch, Salbei, Lorbeer oder schwarzem Pfeffer hinzu.
Gerade dieses Zusammenspiel aus cremiger Textur, feiner Würze und intensivem, aber nicht aufdringlichem Schweinearoma macht guten Lardo zu einer besonderen italienischen Spezialität.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Herkunft: Achte auf Lardo aus hochwertiger Produktion, idealerweise von kleinen Erzeugern.
Farbe: Das Fett sollte eine gleichmäßige, weiße Farbe haben.
Konsistenz: Das Lardo sollte fest, aber nicht hart sein.

Auf die Bezeichnung achten:
Bei Lardo di Colonnata IGP und Lardo d’Arnad DOP bekommt man klar definierte Herkunfts- und Produktionsstandards.
Nicht eiskalt servieren:
Lardo entwickelt seine Textur und sein Aroma besser, wenn er nicht direkt aus dem Kühlschrank auf den Teller kommt.
Sehr dünn schneiden:
Das ist entscheidend. Eine dicke Scheibe Lardo wirkt schnell mächtig; hauchdünn geschnitten kann er dagegen fast cremig wirken.
Mein Tipp: Lardo nicht wie Schinken behandeln. Dünner schneiden, etwas temperieren lassen und auf warmem Brot servieren. Dann versteht man ziemlich schnell, warum die Italiener dieses Fett so feiern. 😉
Verwendung
Wie isst man Lardo richtig?
- hauchdünn aufgeschnitten auf warmem Bauernbrot
- auf geröstetem Brot/Crostini
- mit Honig
- zu Kastanien
- zu Käse
- auf heißen Kartoffeln
- auf Polenta
- zu gegrilltem Gemüse
- als Aromageber bei Fleisch
- über Pasta
- auf Pizza bzw. Focaccia
- zum Umwickeln von Gemüse, Fisch oder Fleisch
Lardo d’Arnad wird auch gerne mit Schwarzbrot und Honig gegessen, außerdem wird er traditionell als Würzmittel für Polenta und Wildgerichte verwendet.
Auf Brot
Traditionell wird Lardo auf frischem Brot genossen, oft zusammen mit anderen Salamis oder Käse.
Lardo in der italienischen Küche
Lardo ist nicht einfach nur ein Aufschnitt. Eine traditionelle Verwendung ist beispielsweise der battuto: Fein gehackter Lardo wird langsam ausgelassen und bildet anschließend die aromatische Fettbasis für Zwiebeln, Gemüse und andere Zutaten.
Gerade in der traditionellen italienischen Küche war diese Verwendung wichtig. Lardo war eine haltbare und energiereiche Fettquelle und konnte dort eingesetzt werden, wo Olivenöl nicht selbstverständlich oder schlicht zu teuer war.
Beim langsamen Erhitzen schmilzt der Lardo und gibt seine Aromen an die übrigen Zutaten ab. So entsteht eine kräftige Grundlage für Suppen, Eintöpfe, Gemüse- und Pastagerichte.
Olivenöl ist heute aus der italienischen Küche nicht wegzudenken. In vielen Regionen war es früher jedoch teuer oder nicht überall verfügbar. Lardo lieferte eine haltbare und aromatische Fettquelle, die direkt aus der Schweinehaltung gewonnen wurde.
Zwei einfache Ideen mit Lardo
Spaghetti con Lardo e Rosmarino: Fein geschnittener Lardo wird vorsichtig erwärmt, bis er beginnt zu schmelzen. Zusammen mit frischem Rosmarin entsteht daraus eine einfache, aromatische Grundlage für Spaghetti.
Bruschetta mit Lardo: Geröstetes Brot wird mit hauchdünn geschnittenem Lardo belegt. Auf dem warmen Brot beginnt das Fett leicht zu schmelzen. Ein wenig frisch gemahlener schwarzer Pfeffer und – wer mag – ein Hauch Meersalz reichen völlig aus.
Warum schmilzt Lardo auf der Zunge?
Lardo wird hauchdünn geschnitten und beginnt schon bei Raumtemperatur weich zu werden. Die Wärme des Mundes reicht aus, um das Fett weiter zu verflüssigen.
Genau deshalb sollte Lardo nicht eiskalt und möglichst dünn serviert werden. Auf noch warmem Brot wird er besonders schnell weich und entwickelt seine typisch cremige Konsistenz.
Weitere Gerichte mit Lardo
Borlengo
Bucatini al Lardo
Calandraca
Crostini Toscani al Lardo
Erbazzone
Fagioli all’Uccelletto
Francesina
Lardiata
Minestrone alla Milanese
Panissa Vercellese
Pasta e Fagioli
Pasta e Patate alla Napoletana
Patate in Tecia
Pasta alla gricia
Pisarei e Fasò
Scafata
Strammer Giovanni, Spiegelei mit knusprigem Lardo auf italienischem Landbrot
Tagliatelle al Lardo di Colonnata
Torta di Patate dell’Appennino
Tortelli Verdi
Ziti Lardiati
Häufig gestellte Fragen zu Lardo (FAQ)
Was ist Lardo?
Lardo ist italienischer, gereifter Rückenspeck vom Schwein. Anders als Pancetta oder Guanciale besteht Lardo nahezu ausschließlich aus der Speckschicht unter der Haut. Er wird mit Salz und je nach regionaler Tradition mit Kräutern und Gewürzen gewürzt und mehrere Monate gereift. Besonders bekannt sind der Lardo di Colonnata aus der Toskana und der Lardo d’Arnad aus dem Aostatal.
Was ist der Unterschied zwischen Lardo und Speck?
Lardo ist eine besondere Form von gereiftem Rückenspeck. Im deutschen Sprachgebrauch wird „Speck“ allerdings für sehr unterschiedliche Produkte verwendet. Lardo ist besonders fettarm an Muskelfleisch und zeichnet sich durch seine weiche, fast cremige Konsistenz aus. Er wird in der Regel nicht geräuchert.
Was ist Lardo di Colonnata?
Lardo di Colonnata ist eine geschützte italienische Spezialität aus dem Ort Colonnata in der Toskana bei Carrara. Der Rückenspeck wird traditionell in Gefäßen aus dem dort gewonnenen weißen Carrara-Marmor mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Knoblauch und weiteren Gewürzen gereift. Dadurch erhält er sein charakteristisches Aroma und seine besonders zarte Konsistenz.
Was ist Lardo d’Arnad?
Lardo d’Arnad ist ein traditioneller Lardo aus dem Aostatal und trägt die geschützte Ursprungsbezeichnung DOP. Er wird in traditionellen Holzgefäßen, den sogenannten doils, mit Salz und verschiedenen Kräutern und Gewürzen mehrere Monate gereift. Zu den typischen Zutaten gehören unter anderem Rosmarin, Salbei, Lorbeer und Knoblauch.
Wie schmeckt Lardo?
Lardo schmeckt würzig, salzig und leicht süßlich. Je nach Rezeptur kommen Kräuter- und Gewürzaromen hinzu. Charakteristisch ist vor allem seine cremige Textur: Sehr dünn geschnitten beginnt Lardo bereits bei Zimmertemperatur weich zu werden und schmilzt förmlich auf der Zunge.
Wie isst man Lardo?
Am einfachsten wird Lardo hauchdünn aufgeschnitten und auf frischem oder leicht geröstetem Brot serviert. Besonders gut passt er zu warmem Brot, Honig, Käse oder gerösteten Kastanien. Auch auf Polenta, Kartoffeln, Gemüse oder als Bestandteil von Crostini ist Lardo eine hervorragende Zutat.
Muss man Lardo braten?
Nein. Hochwertiger Lardo wird meistens roh und hauchdünn aufgeschnitten gegessen. Zum Kochen kann er allerdings ebenfalls verwendet werden. Beim Erwärmen schmilzt das Fett und gibt Gemüse, Fleisch, Pasta oder anderen Gerichten ein intensives Schweinearoma.
Kann man mit Lardo kochen?
Ja. Lardo eignet sich hervorragend als aromatische Fettquelle. Fein gehackt kann er beispielsweise als Grundlage für einen battuto dienen, langsam ausgelassen werden oder zum Anbraten von Gemüse und Fleisch verwendet werden. Auch Pasta, Polenta, Suppen und Hülsenfrüchte lassen sich damit würzen.
Was ist der Unterschied zwischen Lardo, Guanciale und Pancetta?
Alle drei Produkte stammen vom Schwein, unterscheiden sich aber in Herkunft und Verwendung. Lardo wird aus dem Rückenspeck hergestellt und besteht fast ausschließlich aus Fett. Guanciale stammt aus der Schweinebacke beziehungsweise dem Schweinekinn und enthält mehr Fleisch. Pancetta wird aus dem Schweinebauch hergestellt und besitzt typischerweise eine deutlich erkennbare Kombination aus Fleisch und Fett.
Kann man Lardo durch Guanciale ersetzen?
Das kommt auf das Rezept an. Wenn Lardo vor allem als Fett- und Aromaträger eingesetzt wird, kann Guanciale eine gute Alternative sein. Guanciale ist allerdings deutlich fleischiger und kräftiger. Für Gerichte, bei denen die zarte, cremige Konsistenz von Lardo wichtig ist, ist der Ersatz nur bedingt geeignet.
Wie dünn sollte man Lardo schneiden?
Lardo sollte möglichst hauchdünn geschnitten werden. So kann er sich auf warmem Brot oder im Mund schnell erwärmen und seine cremige Konsistenz entwickeln. Dicke Scheiben wirken dagegen schnell sehr mächtig.
Sollte Lardo vor dem Servieren temperiert werden?
Ja. Lardo direkt aus dem Kühlschrank ist fest und entwickelt sein Aroma und seine typische Konsistenz erst beim Erwärmen. Einige Minuten bei Raumtemperatur reichen normalerweise aus. Besonders schön wird er auf noch warmem Brot serviert.
Wie bewahrt man Lardo auf?
Lardo sollte kühl und entsprechend den Angaben des Herstellers gelagert werden. Nach dem Öffnen empfiehlt sich eine luftdichte Verpackung beziehungsweise ein gut verschlossener Behälter im Kühlschrank. Vor dem Servieren sollte er kurz temperiert werden.
Was passt zu Lardo?
Lardo verträgt sowohl süße als auch herzhafte Begleiter. Besonders gut passen Brot, Honig, Kastanien, Kartoffeln, Polenta, Pilze, Hülsenfrüchte, gegrilltes Gemüse und kräftige Käse. Auch Rosmarin, Knoblauch und schwarzer Pfeffer harmonieren hervorragend mit Lardo.
Kann man Lardo einfrieren?
Grundsätzlich lässt sich Lardo einfrieren, allerdings kann die feine Textur darunter leiden. Bei hochwertigem Lardo würde ich deshalb möglichst nur die Menge kaufen, die innerhalb der empfohlenen Haltbarkeit verzehrt werden kann. Im Zweifelsfall sollte man auf die Herstellerangaben achten.
Ich persönlich würde Lardo nicht einfrieren. Auch tiefgekühlt bleibt Fett nicht unbegrenzt vor Oxidation geschützt und kann mit der Zeit an Aroma und Qualität verlieren. Bei einem guten Lardo wäre mir das schade – lieber frisch aufschneiden, genießen und Nachschub holen.
Ist Lardo sehr fettig?
Ja. Lardo besteht nun einmal fast vollständig aus Fett – und genau dafür ist er da. Entscheidend ist die Menge: Hauchdünn geschnitten reichen wenige Scheiben, um einem Stück Brot oder einem Gericht ordentlich Aroma zu geben.“
Warum ist Lardo aus Colonnata so besonders?
Neben der Qualität des Schweinespecks ist die traditionelle Reifung entscheidend. Beim Lardo di Colonnata erfolgt sie in speziellen Gefäßen aus Carrara-Marmor. Das Verfahren ist eng mit der Geschichte der Marmorarbeiter von Colonnata verbunden und hat den Ort weit über die Toskana hinaus bekannt gemacht.
Welche Gerichte kann man mit Lardo zubereiten?
Lardo findet sich in zahlreichen traditionellen italienischen Gerichten. Dazu gehören unter anderem Borlengo, Bucatini al Lardo, Crostini Toscani al Lardo, Fagioli all’Uccelletto, Lardiata, Pasta alla Gricia, Pasta e Fagioli, Pasta e Patate alla Napoletana, Pisarei e Fasò, Tagliatelle al Lardo di Colonnata und Ziti Lardiati.
Was kann man statt Lardo verwenden?
Welcher Ersatz für Lardo geeignet ist, hängt vom Rezept ab. Guanciale ist eine gute Alternative, wenn vor allem das kräftige Schweinearoma und Fett benötigt werden. Pancetta passt ebenfalls, enthält aber mehr mageres Fleisch. Für Gerichte, bei denen Lardo hauptsächlich als Fett zum Anbraten verwendet wird, kann auch Schweineschmalz eingesetzt werden. Für eine vegetarische Variante eignet sich je nach Rezept Olivenöl.
Der typische zartschmelzende Charakter von Lardo lässt sich allerdings nur schwer ersetzen. Besonders bei Gerichten, in denen Lardo hauchdünn auf Brot, Polenta oder Gemüse serviert wird, ist das Original kaum zu ersetzen.
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